Bärchen sind sein Markenzeichen
Johannes Cordes gestaltet Pop-Art-Bilder aus der Süßigkeit / Ausstellung in der Hugenottenhalle
Frankfurter Rundschau, 09.08.2006
Neu-Isenburg - Wie um Himmelswillen, kommt jemand auf die Idee, Bilder aus Gummibärchen zu machen? "Sie kam aus heiterem Himmel", erinnertsich Cordes und sollte eigentlich nur ein Gag sein. Und weil Ihm Andy Warhols "Marilyn Monroe" und die Pop-Art überhaupt schon seit vielen Jahren gefällt nahm er sich dieses Bild vor. Als er Freunden von der Idee erzählte, waren die skeptisch. Cordes spornte das nur noch mehr an - und in nur drei Wochen wurde aus "Marilyn Monroe" die "Bärilyn". "Die vormals skeptischen Freunde waren begeistert.
Als nächsten nahm er sich den Mann vor, der im Fernsehen immerzu Gummibärchen isst: Thomas Gottschalk. Es dauerte nicht lange - Cordes lebte zu dieser Zeit noch in Nürnberg - da meldete sch das Bayrische Fernsehen bei ihm und holte den Gummibärchen-Künstler in eine Live-Sendung. "Das hat mich mit meinen Arbeiten darin bestätigt weiterzumachen."
Rund eine Million Gummibärchen ist das her. So viele hat Johannes Cordes mittlerweile verarbeitet. "Das Gummibärchen ist zu meinem Markenzeichen geworden", sagt er. Nachen verboten: Johannes Cordes hat jedes einzelne Gummibärchen gefärbt - zum Teil bis zu fünf Mal - mit einem extra Kleber der den Bären nichts tut, aufgeklebt und zum Schluss mit einem Speziallack versiegelt - das macht die Gummibärchen hart , durchsichtig und bringt sie zum Leuchten.
Inzwischen hat er die abgewandelte Warhol-Marilyn in Rot, Grün, Gelb und Schwarz-Weiß gemacht. Die erste Bärilyn ist drei Jahre alt und hat sich kein bisschen verändert. Weder sind die Gummibärchen geschrumpelt noch hat die Farbe nachgelassen. "Was ich toll finde - und das hat jetzt nichts mit Hochnase zutun - ist, dass egal, welches Alter man an hat und welche Kunstrichtung man mag, jeder vor den Bildern steht und sagt: Ahhhh!" Bei der Ausstellung "100 Jahre Salvador Dalì" im Schloss Bruchsal war Johannes Cordes mit Hommagen an und Portraits des spanischen Surrealisten im Nebenraum vertreten. "Das war der Durchbruch." Voriges Jahr ist Johannes Cordes nach Neu-Isenburg gezogen - wegen einer großen Ausstellung im "Metropolis" in Frankfurt. Die Nachbildung des Stumfilmklassikers "Metropolis" ist mit ca. 7000 Gummibärchen sein bisher größtes Bild.
Von Neu-Isenburg geht die Ausstellung nach Norddeutschland. In die Heimat von Johannes Cordes, der gebürtig aus Haren/Ems kommt. Seine Mutter ist Künstlerin, sein Vater Kapitän. Johannes Cordes hat Schriftsetzer gelernt, fuhr eine Zeitlang zur See und stieg dann als Autodidakt um auf die Kunst. Sein großer Traum ist, nach Amerika zu gehen, wo Pop-Art Kult ist. "Aber das ist noch ein Stück Arbeit und ein weiter Weg bis dahin."