Mit Gummibärchen an die Kunst
Johannes Cordes zeigt seine Collagen bei Passmanns:
3200 süße Kau-Objekte ergeben das Portrait "Bärilyn"
Bottroper Nachrichten, 06.10.2005
Ein Gummibärchen kommt selten allein. Deshalb konnte Johannes Cordes aus dem Vollen, sprich: aus der Tüte schöpfen, als er seine erste Goldbären-Collage vollendete. Mit bunten Bärchen bildet der ehemalige Galerist seitdem bekannte Kunstwerke nach, bevorzugt solche der Pop-Art. Eine Auswahl seiner Arbeiten stellt Cordes zurzeit in der Gaststätte Passmanns aus.
Dem Besucher ist lachen erlaubt und naschen verboten - Cordes Bärchen stehen unter künstlerischem Artenschutz. Der hat durchaus seinen Preis und erreicht pro Collage einen vierstelligen Betrag. Diese Summe übersteigt zwar den Materialwert des Ausgangsproduktes um ein vielfaches, aber Cordes verweist auf den enormen Aufwand. In 300-stündiger Kleinarbeit hat er eine Szene aus dem Stummfilm "Metropolis" aus 7000 Bärchen zusammengesetzt. 200 Stunden investierte er in das Portrait von Salvador Dalì. Jedes der Bärchen erhält bis zu sieben Aufträge um einen richtigen Farbton zu treffen. Denn die Palette des Herstellers genügt weder den Gesetzen der Pop-Art noch Cordes Ansprüche. "Bilder, zu denen ich nicht stehe würde ich nie als Vorlage benutzen. Gleiches steht für die Werke von Michelangelo oder Rubens, auf die Cordes aus Respekt nicht zurückgreift. Aber das Lächeln der Mona Lisa mit Bärchen zu versüßen, das könnte er sich schon vorstellen.
Aus einer spielerischen Laune heraus entstand im Atelier in Nürnberg die erste Collage, "Bärilyn" nach Andy Warhols "Marilyn Monroe". 2004 folgte eine Ausstellung zu "100 Jahre Salvador Dalì" im Schloss Bruchsal, die Cordes heute als Durchbruch betrachtet: Nach einer langen Reihe von Dalì-Bildern sahen sich die ermatteten Besucher den Dalì-Collagen von Cordes gegenüber, sie begangen zu lächeln und sich zu entspannen, erinnert sich Cordes. "Gummibärchen sind Sympathieträger", erklärt er den Erfolg seiner Arbeiten. Die Besucher seien wohl fasziniert von der Idee, Gummibärchen zu Bildern zu verdichten. "Die Frage ob dies Kunst ist, können andere beantworten." Zumindest ist es ein ironischer Seitenhieb auf den Kunstmarkt.
Es kann nicht wundern, dass die Firma Haribo Cordes zu Ihrem Hauskünstler erkoren hat und Ihn unterstützt. Auch hat Cordes neben Thomas Gottschalk die Firmengründer und Besitzer Haribos portraitiert. Auch in Bottrop hängen Cordes-Collagen und sind bis zum 4. November bei Passmanns zu sehen.